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Kommunikation, Führung, Rhetorik, posted by: hs

Oben wird die Luft dünn, lehrt uns das Leben. Doch manchmal scheint selbst ganz oben noch Luft nach oben zu sein. Zumindest gilt das für jenen Kreis deutscher Topmanager, deren rhetorische Leistungen jetzt von Wissenschaftlern der TU Dresden unter die Lupe genommen wurden.

 

Gegenstand der Untersuchung waren laut einem Bericht auf FAZ.net Redeauftritte von AG-Vorständen auf Hauptversammlungen. Ergebnis: Besonders die CEOs der Automobilbranche "glänzen" durch kommunikative Underperformance. Den Spitzenplatz im Negativ-Ranking belegt dabei VW-Chef Herbert Diess, der wegen des Dieselskandals, pardon: der Dieselthematik, noch mit seiner Glaubwürdigkeit zu kämpfen hat. Ihm auf den Fersen folgt Harald Krüger von BMW mit Problemen beim Erklären von Zusammenhängen. Eher positiv fällt dagegen die Rhetorikbilanz von Daimler-Chef Dieter Zetsche aus, dem eine überdurchschnittliche Verständlichkeit bescheinigt wird. Die von Konzernlenkern wie Elmar Degenhart (Continental) oder Tim Höttges (Telekom) gesetzte Benchmark erreicht allerdings auch der Mann mit dem Schnauzbart nicht, da seine beiden Kollegen mit Metaphern, Anaphern und Anekdoten, ja sogar mit Klimaxen und Triaden aufwarten können, um im "passenden Lichtdesign" ihr "rhetorisches Feuerwerk" abzufackeln. Auch körpersprachlich zeigen sie, wie man als Führungsfigur authentisch rüberkommt, und räumen dafür völlig zu Recht den Siegerpokal ab.


So weit die hard facts aus der Businesswelt, die so hart aber vielleicht doch nicht sind, da der Artikel von Tillmann Neuscheler uns weder über das Rhetorikmodell noch über die Untersuchungsmethode der Dresdener Studie aufklärt. Wurde da quantitativ, qualitativ, normativ oder deskriptiv gearbeitet? Man erfährt es nicht, dabei wären die empirischen Ergebnisse nur mit diesem theoretischen Hintergrundwissen richtig einzuordnen. Als jemand, der sich selbst schon wissenschaftlich mit dem Thema Managementrhetorik befasst hat, hätte ich mir auch einen Verweis auf die Originalstudie gewünscht, in der die entsprechenden Informationen hoffentlich zu finden sind. So besticht der Beitrag – immerhin – durch seinen hohen Unterhaltungswert.

related links: faz.net, 21.1.2019

Welcher Manager redet am besten?

Zum Weiterlesen: J. Knape, H. Schick et al.: Managementrhetorik. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 5 (2001). S. 843–872.

Optimierungswilligen Führungskräften sei noch die Rhetorik Akademie Tübingen empfohlen. Dort wird auf hohem Niveau geholfen.